Gedanken der Stiftung Deutsche Bestattungskultur zur aktuellen Situation

Stiftung Deutsche Bestattungskultur
Stiftung Deutsche Bestattungskultur

Liebe Besucherinnen und Besucher,

gerne hätten wir Sie an diesem Wochenende an unserem Messestand begrüßt, um mit Ihnen über das Sterben und Trauern, über Leben und Tod zu sprechen. Stattdessen sitzen wir zu Hause vor unseren Bildschirmen und der nächste Besuch einer Messe oder einer sonstigen Großveranstaltung scheint beinahe unwirklich fern.

Die aktuelle Situation und insbesondere die massiven Einschränkungen des wirtschaftlichen, aber auch des sozialen und kulturellen Lebens, haben sich die meisten von uns noch vor ein paar Wochen in dieser Heftigkeit sicher nicht vorstellen können. In mancher Hinsicht scheint das Virus unser Land zumindest einigermaßen vorbereitet getroffen zu haben; in anderer Hinsicht suchen viele von uns und sucht die Gesellschaft insgesamt noch immer nach Halt und nach Antworten.

Es ist natürlich noch zu früh, darüber zu spekulieren, ob und in welcher Weise die Krise unsere Trauer- und Bestattungskultur längerfristig beeinflussen wird. Die unmittelbaren Eindrücke spüren und sehen wir jedoch schon allenthalben: Erschreckende Fernsehbilder aus europäischen Nachbarländern, in denen Verstorbene massenhaft in Militärtransportern abgeholt werden und Sport- oder Veranstaltungsorte zu provisorischen Leichenhallen umfunktioniert werden; Nachrichtenbeiträge über vor allem ältere Menschen, die allein und isoliert in Krankenhäusern oder Pflegeheimen versterben; Berichte über Familien und Freunde, die nur im kleinsten Kreis am Grab Abschied nehmen können, ohne tröstende Nähe, Umarmungen, Berührungen.

Dass wir vor der Abnormalität dieser Zustände zurückschrecken, zeigt, wie sehr wir bestimmte Grundlagen unserer Trauer- und Bestattungskultur bereits verinnerlicht haben: dass Trauer Raum braucht; dass jeder Abschied individuell sein sollte; dass Sterbenden wie Angehörigen ein gegenseitiges, würdevolles Abschiednehmen ermöglicht werden muss.

Unsere Stiftung setzt sich seit ihrer Gründung für Erhalt und Förderung einer menschenwürdigen und dabei zeitgemäßen Bestattungskultur ein. Im Nachgang der jetzigen Krise werden Fragen zur individuellen wie zur gesellschaftlichen Bedeutung von Trauer und Trauern vielleicht in verändertem Licht erscheinen. Antworten werden überdacht und Debatten noch breiter geführt werden müssen. Darüber möchten wir weiterhin mit Ihnen sprechen; am liebsten im Oktober, auf der LEBEN UND TOD in Freiburg.

Herzlichst,

Dr. Simon J. Walter
Kulturbeauftragter

Seit unserer Gründung im Jahr 1997 setzen wir uns durch Unterstützung wissenschaftlicher und kultureller Akteure für den Erhalt und die Förderung einer menschenwürdigen und dabei zeitgemäßen Bestattungskultur ein. Zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und Publikationen dokumentieren unser erfolgreiches Engagement.

Die Stiftung Deutsche Bestattungskultur Treuhänderische Stiftung im Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V. ist eine nicht rechtsfähige Stiftung im Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V. und wird von diesem im Rechts- und Geschäftsverkehr vertreten.


Alle gezeigten und verlinkten Inhalte © Stiftung Deutsche Bestattungskultur im Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V.

Zu den anderen Themen blättern:

Haben Sie Fragen, Anmerkungen, Lob oder Kritik zu diesem Thema? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!